Welche Herausforderungen müssen gemeistert werden, damit das Essen, unsere Zukunft, nicht zerstört?

ERNÄHRUNG 10 Milliarden Menschen satt bekommen, die Klimakrise abwenden und das Artensterben stoppen. Wie können diese Herausforderungen gemeistert werden?

Unsere Ernährung macht der Welt Probleme. Die Art und Weise, wie wir aktuell Landwirtschaft betreiben, ist weder nachhaltig für kommende Generationen noch Umwelt- oder Klimafreundlich.

Im Gegenteil: Die industrielle Landwirtschaft, ist eine der Hauptverursacher der beiden drängendsten Probleme unserer Zeit. Laut Weltklimarat (IPCC) ist sie für ein Drittel der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Für das als „Zwillingskrise” geltende Aussterben von bis zu einer Million Tieren und Pflanzen gilt die intensive Landwirtschaft, als wichtigste Ursache. Durch Massen an mineralischem Dünger ist nicht nur das Grundwasser vielerorts mit Nitrat verseucht, der Grundwasserspiegel sinkt immer weiter und es herrscht Wasserknappheit. Die Böden werden immer weiter zerstört. Was also tun?

Ließe sich die Welt mit einer Umwelt- und Klimafreundlichen Landwirtschaft ernähren?

Dem Weltbiodiversitätsrat (IPBES) zufolge erlebt die Welt aktuell das größte Massensterben der biologischen Vielfalt seit dem Ende der Dinosaurier.

Das höchste Gut unser aller Lebens ist die Bodenfruchtbarkeit.

Nur ein lebendiger Boden kann ausreichend Nahrung hervorbringen, Lebensraum für Tiere und Pflanzen sein und Wasser länger speichern. Der ökologische Landbau hat hier viel zu bieten. Er schützt vor Erosion, fördert das Bodenleben und die Humusbildung.

Im Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in der Schweiz gingen Forscher der Frage nach, wie eine nachhaltige Landwirtschaft die Welt ernähren kann. Dort wurde im großen Umfang nachgewiesen, dass Bio-Landbau die Welt ernähren kann. Voraussetzung dafür sind aber Veränderungen im Verhalten – vom Konsumverhalten jedes Einzelnen, vor allem auch in der Politik.

„Wir haben jetzt schon genügend Nahrungsmittel – so viele sogar, dass ein Großteil davon weggeworfen wird. Das gibt Raum für Produktionssysteme, mit weniger Ertrag wie Bio-Landbau. Der dafür andere gesellschaftliche Leistungen bereitstellt“, sagt Müller. Deshalb ist seiner Meinung nach nicht die Ertrags Debatte, der zentrale Aspekt für nachhaltige Landwirtschaft. Vielmehr müsse man davon wegkommen, Erträge immer als erstes Ziel zu sehen.

Es kommt auch darauf an, was wir essen

Wenn wir eine nachhaltige Landwirtschaft wollen, müssen wir aber nicht nur die Lebensmittelverschwendung beenden, sondern auch unsere Ernährungsweise umstellen.

Weniger tierische Produkte, dafür mehr Gemüse, Getreide und Hülsenfrüchte. Dadurch könnte die Zahl der Nutztiere reduziert und die wertvollen Ackerflächen könnten, anstatt für Futtermittel-Anbau für den Anbau von Getreide und Nahrungsmitteln für eine Vielzahl von Menschen verwendet werden. Nach der sogenannten Oxford-Studie von 2018 hat eine überwiegend pflanzliche Ernährung, zudem den größten Einfluss auf die Reduzierung, des eigenen ökologischen Fußabdrucks.

Allein etwa 15 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen werden durch Massentierhaltung verursacht: Angefangen vom Mästen der Tiere mit Kraftfutter aus Mais und Soja, für die riesige Flächen an Ackerfeldern gebraucht werden und somit immer mehr Regenwald abgeholzt wird, bis hin zu den Mengen an Lachgas, die durch die synthetische Stickstoffdüngung entstehen. Dazu kommen das von Kühen ausgestoßene Methangas, sowie Umweltschäden durch zu viel Gülle und Pestizide.

An alternativen Eiweißprodukten geforscht, die dem Fleischgenuss möglichst nahe kommen sollen. Der amerikanische Anbieter „Beyond Meat” setzt dabei auf Erbsen Protein. Zusammen mit Häm (aus Hämoglobin der Roten Bete) soll daraus eine Alternative für Fleisch-Fans werden. Tatsächlich hat die pflanzliche Alternative deutlich weniger negative Auswirkungen auf die Umwelt: 90 Prozent weniger CO₂-Emissionen, sowie 93 Prozent weniger Ackerfläche und 99 Prozent weniger Wasser. Das hat die Universität Michigan für „Beyond Meat“ berechnet.

Feststeht aber auch: Ohne die Politik ist eine zukunftsfähige Landwirtschaft nicht machbar, sie muss die richtigen Signale setzen. Mit 60 Milliarden Euro ist die Agrarwirtschaft der größte Posten des EU-Haushalts. Die EU-Subventionen in der Landwirtschaft werden aktuell zum größten Teil nach Größe der Anbaufläche vergeben – und nicht danach, wer eine umweltfreundliche Landwirtschaft betreibt. „In Zeiten von Klimaschutz und Fridays for Future ist die allerwichtigste Forderung zunächst einmal klimaschädliche Subventionen abzubauen.

Das ist ja verrückt, dass es die immer noch gibt,” sagt Dr. Katharina Reuter von Unternehmens Grün e.V., dem Bundesverband der grünen Wirtschaft, in dem sich Branchen übergreifend für nachhaltige Unternehmen engagieren. Zurzeit herrsche ein unfaires Marktfeld, so Reuter. „Bio kostet nur deshalb mehr, weil es für konventionelle Produkte keine wahren Preise gibt. Wer Pestizide einsetzt, muss auch für die Schäden, die dadurch entstehen, aufkommen.“ Gleichzeitig sollten Klima freundliche Maßnahmen wie der CO₂-senkende Humu-Aufbau im Öko-Landbau finanziell belohnt werden. Reuter und ihr Team sprechen sich darüber hinaus für einen reduzierten Mehrwertsteuersatz für Produkte aus, die aus der Kreislaufwirtschaft, wie beispielsweise dem Öko-Landbau stammen.

Quelle: Schrott und Korn. Die Zeitschrift aus dem Bioladen.


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